Mabon

Termine

ausschließlich nach Vereinbarung

Brigitte Scholz

Am Lindenberg 27, 35463 Fernwald, Tel.: 0 64 04/2 08 98 87

Wenn man die Ruhe nicht in sich selbst findet, ist es umsonst, sie woanders zu suchen.

Francois de la Rochefoucauld

Mit dem Ritual der Herbsttagundnachtgleiche treten wir in die dunkle Hälfte des Jahres ein. Die Sonne tritt in das Zeichen Waage, die Ausgewogenheit symbolisiert. Dieses Fest steht für die Ausgeglichenheit von Tag und Nacht. Ab jetzt werden die Tage wieder kürzer und die Nächte länger und es beginnt die Begegnung mit der anderen Hälfte des Jahres, der Winterhälfte. Es ist die Zeit der Geister, die Zeit der Zurückgezogenheit. Die Herbsttagundnachtgleiche ist ein Toten- und Opferfest (d. h. Ernte und Ehrung der Totenwelt wird zelebriert). Mit dem Erntedank verbindet sich die Ehrerbietung an die Ahninnen und die Besänftigung der dämonischen Kräfte. Später wurde aus der Herbsttagundnachtgleiche ein ausschließliches Erntedankfest, welches von der Kirche übernommen wurde.


Die besten Früchte der Ernte wurden der Göttin geopfert, damit das nächste Jahr wieder fruchtbar werden möge. Besondere Achtung wurde den ersten drei geernteten Pflanzen, Ähren, Früchten erwiesen. Diese Opfer wurden auf der Erde gelassen. Symbolisch wurde der Natur etwas für ihre Gaben zurückgelassen. Die drei letzten Pflanzen wurden stehen gelassen. Nach Beendigung der Erntearbeiten entzündete man Erntefeuer, die unter Lärmen umtanzt und übersprungen worden. Die alten Germanen dankten in erster Linie dem Donnergott Thor für die glückliche Einbringung der Ernte. Ihm zu Ehren klopfen wir heute noch dreimal auf Holz, wenn wir Glück wünschen. Holz und die Zahl drei entsprechen dem Donnergott, der uns auch am Donnerstag jede Woche an sich erinnern lässt.


Zu den Opfergaben gehörten auch Trankopfer vom frisch gebrauten Bier oder ersten Wein, und auch Blutopfer (heute von Tierblut). Blut gehört als konzentrierte Lebenskraft zu den ältesten rituellen Elementen und ist als Opfer wie als magisches Mittel in vielen kultischen Traditionen eingesetzt worden. Das ursprüngliche Blutopfer war das Menstruationsblut der Frauen. Dieses beinhaltet das weibliche Geheimnis, Leben zu geben und konnte in den kosmischen Kreislauf geschenkt werden, ohne dass jemand verletzt oder gar getötet werden musste. Als Zeichen der Fruchtbarkeit wurde es bei Aussaat und Ernte in die Äcker gegeben.


Später drängt uns die antike Mythologie das blutige Motiv von Vergewaltigung oder vom Tod geliebter Vegetationsgottheiten auf. Neben dem kleinasiatischen Kybele-Attis-Kult sind die eleusinischen Mysterien am bekanntesten, die in Griechenland alljährlich bis zum Jahr 381 im September gefeiert wurden. Nach der homerischen Fassung des Mythos blieb die mächtige Korngöttin Demeter im Herbst als trauernde Mutter zurück, die überall weinend ihre geraubte Tochter sucht. Das Herbstritual wurde zum Klageritual über die Gewalt des Totengottes, der die junge Persephone alljährlich in sein dunkles Reich zwingt. Nun ist das männliche Geschlecht von Totengottheiten in der Mythologie relativ jung. Die Macht, Leben zu nehmen, gehörte ursprünglich zum Bild einer Göttin, die auch das Leben hervorbrachte. Dieser Doppelaspekt der Göttin ist die alte Basis für den Mythos der eleusinischen Vegetationsgöttinnen Demeter und Persephone. Aus dieser Zeit sind zwillingshafte Frauenpaare in auffällig vielen Beispielen vorhanden, die offensichtlich eine Dualität von Vegetationsgöttinnen darstellen, von denen eine die Zeit des Wachstums und die andere die Zeit der Saatruhe repräsentiert.


An zwei Stellen im Jahr wechselt die Macht von der Hand der einen Göttin in die der anderen, und doch machen die paarigen Abbildungen deutlich, dass immer beide für den Zyklus verantwortlich sind. So ist die Herbsttagundnachtgleiche ein Ritual der Machtübergabe zwischen einer Dualität von Vegetationsgöttinnen.

Herbsttagundnachtgleiche/Mabon